Geschichten\Schwerer PKW
In den 80iger Jahren trug sich bei einem Grazer Autohändler in dessen Werkstätte folgende Geschichte zu.
Eines Tages kam ein Kunde mit einem alten Opel Kadett zum Service. Hier sollte auch die Betriebstauglichkeit des Fahrzeuges für das begehrte "Pickerl" durchgeführt werden.
Der Kunde wollte die Wartezeit nicht im Betrieb verbringen und ging inzwischen in ein nahes Restaurant.
Nach der obligaten Probefahrt fuhr der zugeteilte Mechaniker das Fahrzeug auf eine Hebebühne, um die Unterseite des Opels zu begutachten.

Der Wagen stand also auf der Bühne, man betätigte den Schalter, um den Wagen hochzuheben.
Die Hydraulik der Bühne summte jetzt zwar, aber der Wagen bewegte sich nur ein kleines Stück nach oben. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, wobei man auch den Meister holte, fuhr man das Fahrzeug wieder von der Bühne runter um diese Bühne mal genauer in Augenschein zu nehmen. Die Bühne bewegte sich jetzt aber ganz normal rauf und runter. Ratlose Gesichter überall.
Also wieder rauf auf die Bühne mit dem Kadett.
Das gleiche Spiel wie gehabt, das Auto am kaum vom Boden los!

Jetzt sprach der Werkstättenmeister ein Machtwort! Der Hebebühnenservice muss sofort benachrichtigt werden.
Zum Glück ist die Firma, die diese Hebebühnen betreut, in Graz ansässig und war auch in einer halben Stunde vor Ort.
Die Service Leute machten Ihre Tests, lösten die Hydraulikleitungen, schraubten sie wieder an, fanden keine Fehler und befanden die Bühne als Betriebsbereit.
Also zum dritten Mal den Opel auf die Bühne.
Wieder das gleiche Theater, die Bühne kam nicht hoch.
Eine ziemlich lautstarke Auseinandersetzung zwischen dem Werkstattmeister und dem Service-Team war nun die Folge.

Da sagte plötzlich einer des Teams: "Der Kadett sitzt aber schön tief, ist der Tiefer gelegt?"
Das fiel jetzt auch den Mechanikern auf und bald standen alle im Kreis um das Auto rum.
Man sah sich jetzt unter der Motorhaube, im Kofferraum und im Fahrzeuginnenraum etwas genauer um. Aber da war nichts Besonderes zu sehen, was auf ein hohes Gewicht schließen ließ.
Inzwischen kam der Kunde vom Essen zurück und wollte seinen Wagen abholen, der seiner Meinung nach schon fertig sein sollte.

Er wunderte sich sehr, als er den Menschenauflauf um sein Auto herumstehen sah und fragte, was denn los sei.
Der Meister stellte den Kunden zur Rede und meinte, was er denn mit dem Fahrzeug gemacht hätte, denn inzwischen war klar, dass der Wagen außergewöhnlich schwer war.
Der Kunde, der gelernter Maurer war, sagte, dass er nur die Seitenholme, das Bodenblech und den Kofferraum mit einer dicken Schicht Beton ausgegossen habe um den Rost, der schon sehr weit fortgeschritten war, einzudämmen.
Er zeigte daraufhin den Leuten seine vorzügliche Arbeit indem er die Bodenbeläge im Fahrgastraum und im Kofferraum hochhob und auf die darunter liegende Betonschicht zeigte.

Diese Betonschicht war durch entsprechende Verschalung derart sauber verarbeitet, dass man dies ohne einen Verdacht zu haben, unmöglich sehen konnte.
Das "Pickerl" bekam der Kunde nicht für diesen "Panzer", hatte aber trotz all der Umstände die Lacher auf seiner Seite.

Franz P.
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